Über 40 Prozent aller Bürger engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen, Verbänden und Bürgerinitiativen sowie in weiteren Institutionen und Einrichtungen. Nach Erhebung des Freiwiliigensurveys des Bundesfamilienministeriums stellt der organisierte Sport dabei mit 10 Prozent den größten Sektor dar, in dem sich Menschen einbringen.

In Baden-Württemberg ist das Ehrenamt besonders stark im Sport vertreten. 112.000 Menschen allein auf der Vorstandsebene in den Vereinen machen dies deutlich. Hinzu kommen unzählige Abteilungsleiter, Trainer, Übungsleiter, Kassenprüfer, Beisitzer, Stellvertreter, Zeugwarte und weitere engagierte Menschen.

Der Freiwilligensurvey zeigt aber auch, dass die Zahlen der Ehrenamtlichen rückläufig sind. Zwar erfolgt der Rückgang auf hohem Niveau, der Trend ist jedoch eindeutig. Zumal die Sportvereine die Bindung und Gewinnung von Ehrenamtlichen als das größte Problem ihrer Arbeit bewerten. Im Fokus stehen dabei die Wahlämter auf der Vorstandsebene, also die Funktionsträger der Vereine. Viele Vereine sehen sich durch die schwierige Suche nach Ehrenamtlichen sogar in ihrer Existenz bedroht.

Zwar bietet der Sportverein immer noch ein attraktives Umfeld für Menschen, die sich engagieren wollen. Doch es sind die Erwartungen, Motive und die Herangehensweise, die sich gewandelt haben und nicht mehr alten Mustern entsprechen. Die "klassische" Karriere im Ehrenamt wird zunehmend seltener – also der Weg über die sportliche Aktivität über die Mitarbeit im außersportlichen Bereich hin bis zur Übernahme eines Wahlamtes.

Gerade junge Menschen haben nicht mehr nur den Wunsch sich einzusetzen und einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Sie wollen, oft im Gegensatz zur Arbeitswelt, auch beteiligt werden, ihre Interessen vertreten, eigene Kompetenzen erweitern und neue Erfahrungen sammeln. Selbstverständlich soll ein Engagement Spaß machen und ein Ausgleich zu Schule, Studium oder Beruf sein.

Ein wichtiger Aspekt des ehrenamtlichen Engagements, der nicht in Vergessenheit geraten sollte, ist die Anerkennung. Dabei geht es nicht um die materielle Entlohnung, sondern um die Wertschätzung. Traditionelle Ehrungen sind wichtig, aber nur ein Ausschnitt dessen, was möglich ist und teils auch erwartet wird. Mit etwas Kreativität kann man hier viel erreichen.

Für Sportvereine ist es zukünftig unumgänglich, sich auf dieses sogenannte "neue Ehrenamt" einzustellen und dem Ehrenamt die gleiche Bedeutung beizumessen wie den Vereinsfinanzen, Veranstaltungen oder dem Spielbetrieb.

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