Im aktuellen Freiwilligensurvey werfen Wissenschaftler einen detaillierten Blick auf das gesellschaftliche Engagement in Deutschland. Alle fünf Jahre führt das Deutsche Zentrum für Altersfragen seit 1999 diese Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durch. Mitte April wurde der Bericht zur vierten Erhebung des Freiwilligensurveys veröffentlicht. Hier einige wichtige Ergebnisse, die auch bei der Arbeit im Vereinsvorstand helfen können:

 

Die Engagementquote ist gestiegen

Seit der ersten Befragung 1999 verzeichnen die Wissenschaftler einen spürbaren Anstieg in Sachen freiwilliges Engagement. Nach der Überprüfung der Angaben in den Interviews kommen sie auf 43,6 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren, die sich freiwillig engagieren. 1999 waren dies nur 34 Prozent. Den Begriff freiwilliges Engagement fassen die Studienautoren dabei recht weit. Sie zählen dazu alle freiwilligen oder ehrenamtlichen Aufgaben und Arbeiten außerhalb von Beruf und Familie. Dadurch ist auch die Bandbreite freiwilligen Engagements etwa im Abschnitt „Sport und Bewegung“ recht groß: der regelmäßige Fahrdienst oder die Organisation einer privaten Tanzgruppe wird genauso als Beispiel genannt wie der Kassenwart oder die Fußballtrainerin.

Das Engagementpotenzial

Von den über 55 Prozent, die sich zum Zeitpunkt der Befragung nicht engagierten, war mehr als die Hälfte offen für ein Engagement in der Zukunft. Interessant dabei: Im höheren Alter ist die Bereitschaft geringer als bei Jugendlichen sowie jungen und mittleren Erwachsenen.

Sport und Bewegung sind die Nummer 1

Die Forscher haben die freiwillige Mitarbeit in 14 thematischen Bereichen erfasst. Von 28 600 Befragten gaben 16,3 Prozent an bei „Sport und Bewegung“ engagiert zu sein. Das ist mit weitem Abstand Rang 1 vor „Schule und Kindergarten“, „Kultur und Musik“, dem sozialen Bereich und den Kirchen.

Das Zeitbudget ist geschrumpft

Zwischen 1999 und 2014 ist der Anteil derer, die bis zu zwei Stunden pro Wochen für ihr Engagement einsetzen, von etwa 50 Prozent auf 58 Prozent gewachsen. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die sechs Stunden und mehr je Woche aufwenden, von 22,9 auf 18,1 Prozent gesunken.

Mehr Engagierte, weniger Führende

Zudem ist der Anteil derer, die eine Leitungs- oder Vorstandstätigkeiten Inne haben, seit 1999 von etwa 38 auf 27,5 Prozent zurückgegangen. Die Wissenschaftler führen diese Verschiebung auf den deutlich gewachsenen Anteil an Engagierten zurück, während die absolute Zahl der Leute mit Leitungs- oder Vorstandstätigkeiten gleich geblieben ist.

Freiwilliges Engagement erweitert Fähigkeiten

Knapp drei Viertel der Engagierten gab an, soziale Fähigkeiten in der freiwilligen Mitarbeit erworben zu haben. Mehr als die Hälfte antwortete, auch die persönlichen Fähigkeiten erweitert zu haben. Vor allem bei Jugendlichen spielt der Erwerb von sozialen und persönlichen Qualifikationen über das Engagement eine besondere Rolle.

Solidarität und Sicherheit sind wichtige Werte

Darüber hinaus spielen Werte eine wichtige Rolle bei der Motivation zum freiwilligen Engagement. So bringen sich Menschen, für die Solidarität ein wichtiger gesellschaftlicher Wert ist, häufiger ein als andere. Ähnliches lässt sich auch zum Wert der Kreativität sagen. Dagegen ist der Wunsch nach Sicherheit eher ein Hinderungsgrund für freiwilliges Engagement. Die Wissenschaftler erklären dies damit, dass bei diesen Menschen der Gedanke an neue Kontakte, neue Tätigkeiten und deren Auswirkungen auf den gewohnten Alltag eher Unsicherheit, und damit offensichtlich Ablehnung hervorruft.

Geld spielt so gut wie keine Rolle

Nur jeder zehnte unter den 28 600 Befragten erhielt Geld für sein freiwilliges Engagement. Seit dem ersten Freiwilligensurvey 1999 hat sich an diesem Wert nicht viel geändert. Ein allgemeiner Trend zur Monetarisierung lasse sich nicht feststellen.

Engagierte brauchen mehr Unterstützung

Deutlich mehr Verbesserungsbedarf als in der eigenen Organisation sehen die Engagierten bei der Unterstützung durch Staat und Gesellschaft. Dazu zählen Steuerfragen genauso wie die Vereinbarkeit mit dem Beruf sowie mehr Informationen, wie und bei wem man sich ehrenamtlich bzw. freiwillig engagieren kann.

 

Erfahren Sie mehr über den Deutschen Freiwilligensurvey beim Deutschen Zentrum für Altersfragen.

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